Fast verloren

Verwundet, das Herz in zu viele Teile gebrochen: Durch die Streitereien zwischen ihnen, weil es schon zu lange auf das Ende hinaus lief und wegen der großen Liebe, die einst da war. So vollkommen, so umfassend war sie gewesen, dass eine Loslösung einer Amputation glich. Und der Phantomschmerz blieb. Lange. Jahre.

Sie war die Frau, für die er alles riskiert hatte, für die er die besten Kumpel, die engste Familie, das aufregende Leben verlassen hatte und quer durchs Land gezogen war. Vor dem Traualtar dachte er Endlich und freute sich so, dass das Fürimmer mit ihr sein würde. Mit ihr! Sie und er – unkaputtbar. Und die Kinder krönten alles.

Bis es nichts mehr zu krönen gab, bis sie zickte und er bockte und keiner nachgeben wollte. Er hatte so viel aufgegeben, gerne, wirklich, aber etwas musste auch von ihr kommen. Und wenn es nur war, wenigstens ein Jahr oder zwei vor allem für die Kinder da zu sein. Doch bei dem Thema gab es kein Nur. Bloß Stress und Keiferei und grobe Worte und keine Einsichten. Wie Gift sickerte all das in den Beziehungsgrund und verdarb ihn. Ein anderes Fürimmer.

Darum trennten sie sich und es ging ihm dreckig. Elendig. Scheiße. Er musste weitermachen, er wollte weitermachen, das stand nie anders zur Debatte, aber er wusste nicht, wie. Wie sollte er sich auffangen? Er versuchte es mit viel Arbeit. Mit Sport. Mit Onenightern. Er benutzte alle Mittel, nutzte aus. Doch Ruhe gab es ihm keine.

Erst als sie geschieden waren, erst als sie danach begannen gesittet, dann normal, schließlich freundlich miteinander umzugehen, rastete alles in ihm wieder ein. Er hatte sich doch nicht so sehr in ihr als Menschen getäuscht. Er konnte sich doch noch auf sich selbst verlassen. Denn das schlimmste wäre gewesen, wenn er nicht nur sie, sondern auch sich und den Glauben daran verloren hätte.

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2 Kommentare zu „Fast verloren

  1. Sich selbst zu verlieren ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Selbstzweifel kommen unweigerlich nach einer Trennung – egal von welcher Seite. Da ist es gut von Freunden aufgefangen und gestützt zu werden.

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