Auf Kussfang

Tanzen. Die 30jährigen Knochen können es noch gut. Wenn da das Knie nicht wäre – und der Rücken. Aber weggetrunken sind die Schmerzen und herausgefordert die gute Laune.

Funky Irgendwas ist zwar nicht ihre Musikrichtung, aber was macht das schon? Die Nacht ist zum Vergnügen da – und genau das wird sie haben. Sie hat da schon wen entdeckt: Einen Dunkelhaarigen mit Hut, lässigen Bewegungen und vielleicht 25 Lebensjahren. So einen, den sie als Jugendliche angehimmelt hätte – wegen seiner Coolness, von dem sie sich als früher Twen ferngehalten hätte  – wegen seiner Herzensbrecherqualitäten,  und den sie nun küssen möchte – wegen … sich selbst. Und zufällig, zufällig tanzt er gerade hinter ihr. Sie wendet sich um, weil sie auf die Bühne schauen will – oder auch nicht, und ihre Blicke finden einander. Er grinst. So einfach. Sie lächelt zurück. Ein Angebot.

Sie wenden einander wieder die Rücken zu und noch während sie ihrer Freundin ins Ohr brüllt, dass sie gleich für eine Zeit weg sein wird, ergreift er ihre Hand. Ein paar Takte tanzen sie so, dann dreht sie sich zu ihm um, Augenkontakt, Lächeln, ein Arm um ihre Taille, eine Hand auf ihrer Hüfte, ein Näherkommen. Funky Irgendwas wird dumpf, verschmilzt mit Gesprächslärm, Gesangskünsten und Gläsergeklapper zu einer Geräuschkulisse. Ein Kuss.

Sie beendet ihn, nimmt seine Hand und zieht ihn hinter sich her, um ihn heftiger, wilder, jugendlicher abseits der Tanzfläche küssen zu können. Irgendwann werden sie das erste Wort tauschen. Aber noch nicht jetzt.

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6 Kommentare zu „Auf Kussfang

    1. Ah, sorry … Hatte dir schon geantwortet, aber hatte gedacht, du hast zu einem anderen Beitrag kommentiert. Was meinst du mit Franken?
      Im letzten Absatz des Sexdate-Artikels geht es um Selbstbestimmung. Meinst du nicht, dass in diesem Kussfangbeitrag genau diese auftritt? Sie hat jemanden gesehen und selbstbestimmt gehandelt. Bei den Sexdates kritisiere ich vor allem solche Leute, die davon berichten, dass sie durch zB Tinder mit Leuten zusammentreffen, die sie gar nicht attraktiv finden, aber doch deren Nähe suchen, weil sie ja bereits schon mal vor Ort sind.

      1. Ich meine Gedanken. Franken mag mein Handy scheinbar lieber.

        Hm. So kam das in dem Artikel nicht an. Und recht sehe ich wenig Unterschied. Die einen fummeln und beißen auf der Tanzfläche miteinander und ich wünsche mir, sie würden weg gehen weil sie Platz wegnehmen. Die anderen gehen miteinander ins Bett auch wenn sie keine Traumpartner sind. Beides wirkt für mich nach Selbstbestimmung und „Freiheit“. Moralische Implikationen sehe ich bei beiden.

        Ich glaube die frage ist meinerseits: wo ist da dir Grenze wo es verwerflich wird? Und warum genau dort?

        Ich will bestimmt niemand belehren/bekehren. Nur erfassen. Denn nur so viel: meine Meinung hebe ich noch nicht gesagt. 😉

      2. Ich glaube, die Grenze muss jeder für sich selbst finden. Jungs, die man in der Disco kennengelernt hat, zu küssen (und nur darum ging es ja hier), und sich mit komplett unbekannten Männern zu Sexdates zu treffen, ist für mich ein himmelweiter Unterschied. In der Disco flirtet man, dann küsst man vielleicht und dann trifft man sich eventuell später mal. Vielleicht geht man auch direkt mit, aber ich bin da nicht so ein Vertreter von.
        Mich mit jemandem zu verabreden, dessen Profilbild und dessen Aussagen gefakt sein können, ist dagegen überhaupt keine Option.

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