Er wollte.

Glück, dachte er. Das war es, was ihm wirklich fehlte. Und damit meinte er nicht dieses oberflächliche Glück, das man vielleicht im Spiel hat, das nur ein kurzes Aufflackern ist und sich bald wieder legt. Auch nicht jenes, das ihm zufällig in den Schoß fiel, als er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und den Job ergatterte, der ihm zu mehr Geld verholfen hatte, als er tatsächlich für sein Leben benötigte. Und er meinte auch nicht jenes, das ihn manchmal in seinem Auto überfuhr, wenn er das Pedal durchdrückte, den Motor aufjaulen ließ und er den Kopf vor Lachen nicht mehr zurückwerfen musste, weil der Rückdrall dies schon für ihn tat.

Nein, er meinte das Glück, aus dem ein Adjektiv gemacht werden musste. Jenen Zustand tiefer Zufriedenheit, den manchmal Mönche, manchmal werdende Mütter, manchmal verliebte Männer ausstrahlen. Glück-lich.

Er wollte wissen, wie es war, sich nicht zum Aufstehen zwingen zu müssen, weil die Arbeit etwas wäre, das ihn innerlich erfüllte. Er wollte erfahren, wie es sich anfühlte, in das Gesicht einer Frau zu sehen und jeden Tag mit ihr lachen zu können – über und mit einander. Er wollte spüren, wie die Schwerelosigkeit zunahm, weil der Druck dem Leben entwich.

Er wollte glücklich sein.

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10 Kommentare zu „Er wollte.

    1. Liebe Fatima, ich danke dir für dein Kompliment! (Allerdings war ich selbst noch nicht ganz zufrieden und musste den Artikel erst noch einmal durch die Überarbeitung jagen.) Lieber Gruß!

    1. Jepp, I know. Du kannst ja die Geschichten und Geschichtchen auslassen und deine Meinung zu den Lebenssachen schreiben, wie zum Beispiel den Namensschubladen 😉

    1. Alle hoffentlich. Wenige setzen an den richtigen Punkten an, um Veränderung zu erreichen. Oder sehen ein, dass Glücklichsein oftmals hausgemacht ist…

  1. Ich finde diesen Text einfach nur schön. Er beschreibt eine Sehnsucht, die wohl in vielen Menschen steckt und bei allem Wollen doch für ebenso viele unerfüllbar bleibt. Die Sehnsucht nach einem Glück, das wohl auch LEBEN im menschlichsten Sinne genannt werden könnte, so gar nicht abstrahiert von Rücksicht, aber frei von einem vereinnahmenden Egoismus.

    Warum diese Art Sehnsucht quasi „zwangsläufig“ mit Melancholie in Verbindung gebracht wird, vermag ich nicht zu verstehen.

    Liebe Grüße, Stefanie, und Dankeschön für diesen mich sehr ansprechenden Text!

    1. Danke dir! 🙂
      Nandalya hätte gern zupackendere Texte. Das weiß ich wohl von ihr. Aber schon meine Schreibweise und der Satzbau tendieren auch vielleicht manchmal eher zum Nachdenklichen.

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