Das Fitzelchen Mann

Knutschbücher. Märchen für erwachsene Frauen. Mit ein bisschen Sex und dem Traummann am Ende. Immer. Sie rollte über sich selbst die Augen und legte das Buch beiseite. Es machte keinen Sinn etwas zu lesen, von dem sie sowieso ahnte, dass es in ihr Leben keinen Einzug halten würde. Und das würde es nicht. Sie wusste es ja. Und nein, sie bedauerte sich nicht selbst. Zumindest nicht gerade im Moment. Gerade verachtete sie sich eher ein wenig, weil sie eine starke, unabhängige, finanziell gut aufgestellte Frau mit großem Freundeskreis war, die sich mit all diesem einfach nicht zufrieden geben wollte. Konnte. Glaubte zu können.

Es war, als würde immer noch dieses kleine Fitzelchen fehlen. Ein Fitzelchen Mann. Und als würde ihr Leben in ihrem Kopf unvollständig bleiben, sollte nicht bald ein männliches Exemplar auftauchen und passen. Irgendwie passen oder passend gemacht werden.

Stimmt es, dass Frauen wie sie selbst Schwierigkeiten hatten, Männer zu finden, gerade weil sie so waren, wie sie waren, weil sie wussten, was sie wollten und was sie vor allen Dingen nicht wollten? Aber es gab doch ebenso Männer, die das wussten, und die hatten meist irgendeine an ihrer Hand laufen, die um einiges weniger selbstbewusst, selbstständig und selbstfinanziert durch die Weltgeschichte stapfte, als sie.

Alpha-Männer suchten keine Frauen, wie sie eine war. Aber war sie denn auf der Suche nach so einem Alpha-Typen?

Wie oft hatte sie schon gehört, dass sie irgendwann einmal einen tollen Typen, den besten aller Männer abbekommen würde. Seltsamerweise waren es meistens die Männer, mit denen sie eine Affäre, wobei das englische Wort „Fling“ irgendwie besser als „Affäre“ passen würde, hatte, die ihr genau das sagten. So nach dem Motto: „Eine Frau wie du ist nicht gut genug für mich. Du hast den hammergeilsten Kerl verdient. Daher bleibt es bei uns nur beim Sex.“ Ja, danke auch.

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13 Kommentare zu „Das Fitzelchen Mann

  1. Vielleicht war der ein oder andere der ‚Fling‘-Männer einfach nur geblendet von ihr, und hätte mehr Zeit gebraucht um zu erkennen, daß er ihr das Wasser – und damit auch viel mehr – reichen kann. Es geht nicht immer nur um die Frage, wie gut genug man ist. Wie fehlbar genug ist ebenso entscheidend, besonders für ein realistisches Happy End.

    1. Bei diesem Beispiel hat das Mädel wirklich so lange gewartet (und wartet noch), wie es eben geht. Aber er hat eine andere geheiratet… Da muss man dann auch einfach mal sagen: Nee, er will ihr nicht das Wasser reichen.

      1. Kommt auf die Signale an, die sie gegeben hat. Warten alleine ist verantwortungslos, immer, bei beiden. Wenn sie klar und unmissverständlich waren, ist er ein Vollpfosten. Meine Ansicht.

  2. Das Grundproblem ist eh die Annahme ein Mensch hatte irgend einen anderen verdient. Nix haben wir. Aber im Kampf um den Anspruch darum vergessen wir eben die Wertschätzung dessen was ist, denn es ist ja weniger als wir verdienen.

    1. Sorry, du warst automatisch im spam gelandet … tausend dank fürs anmichdenken! An den kettenbriefawards nehme ich aber so nicht teil. Ich schaue mal, ob ich aus einer oder zwei deiner fragen einen post verfasse und ich als inspiration angebe! Lieber gruß

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