Kalenderweisheit

Es klingt so abgedroschen. Und so einfach. Eigentlich so einfach. Dennoch haben viele Menschen Schwierigkeiten umzusetzen, was ihnen bei plötzlichen Todesfällen oder schweren Krankheiten auf einmal (wieder) aufgeht.

Die Zeiten, in denen Menschen aufgeschoben haben, was sie nicht aufschieben sollten, weil sie dachten, im Paradies würde das richtige, das echte, das wundervolle Leben auf sie warten und dort würde das schwere Los des Irdischen von ihnen abrücken, diese Zeiten sollten längst vorbei sein. Immer wieder kam es auch im gläubigen Europa zu lebensbejahenden Phasen. In der Renaissance, nach dem 30-jährigen Krieges während des Barock … Da wurde das Leben umarmt, angenommen, ausgekostet bis zum Rausch. Hinwendung zum Irdischen. Heine forderte im 19. Jahrhundert im Wintermärchen: Wir wollen auf Erden glücklich sein,/ und wollen nicht mehr darben.

Und trotzdem gibt es Augenblicke, in denen vielen auf einmal klar wird: Mensch, wenn ich morgen gehe, dann … und wahrscheinlich habe ich ja nur das eine … und ich sollte darum endlich das tun, was ich  immer schon wollte… und finden, was mich glücklich macht. Und sie sehen auf ihr Leben und oft stimmt etwas nicht. Oft sind es Träume, die verloren gegangen sind. Idealismus. Hoffnungen auf einen Job, der einen erfüllt, auf Erlebnisse, die man teilt, auf den einen Menschen, der einen begleitet. So wie der Mond die Gezeiten haben irgendwelche äußere Einflüsse ihr Leben bestimmt und der Ausbruch aus dem Trott wurde immer weiter aufgeschoben. Weil … man hat ja Zeit.

Aber wie viel davon wir haben, wissen wir nicht. Und Träume aufschieben, ist nur sinnvoll, wenn derweil andere erfüllt werden, wenn Zufriedenheit überwiegt, wenn das Leben ausgefüllt ist.

Im Flieger dachte ich wieder: Sterben wäre nicht schön und ich würde es nicht wollen. Gewiss nicht. Aber ich könnte es. Weil ich viel hatte und habe und wenig ausließ. Und es beruhigte mich. Vielleicht ist die Angst vor dem Tod so am besten zu bändigen: Wenn das Leben so voll war und man Wege auch jenseits des geraden gegangen ist.

Darum zurück zur Kalenderweisheit. Es gibt nur einen Sinn des Lebens, nur eine Sache, die man ab der Geburt bis zum Tod uneingeschränkt machen sollte: Leben. Mit allem, was dazu gehört. Chancen ergreifen, Träume erfüllen und Liebe geben.

2016-04-04 16.41.24

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2 Kommentare zu „Kalenderweisheit

  1. Wohl so wahr. Und doch vermag ichs nicht. Da ist immer und immer wieder mein Gewissen und die Erfahrungen, die ich jeden Tag machen muss, wenn ich mit offenen Augen in die Welt blicke.

    Dennoch, Du hast es schön und, wie schon gesagt, wohl wahr, alle mal aber verständlich, nachvollziehbar, geschrieben.

    Liebe Grüße, Stefanie!

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