Über hilflose Wut

Manchmal ist eine Hilflosigkeit in mir, die sich in Wut entlädt. Dann sehe ich auf meine Schüler und weiß, dass sie nichts dafür können, dass es die Jugend, dass es aber vor allem auch ihre Eltern sind, die sie so machen, wie sie sind, aber ich spüre sie abgleiten, sehe ihren Lebensweg vorgezeichnet, und ich kann nichts tun. Es sind jene aus diesen niederen sozialen Schichten, jene, die von vornherein mit Schicksalsschlägen ins Leben entlassen werden, jene, die in den Studien über unser Bildungssystem als benachteiligt gelten.

Und ich bin wütend auf Eltern, die Kinder ohne Nachzudenken in die Welt setzen, die zulassen, dass sie mit elf schon so sexualisiert sind, die sie schlagen, ihnen Angst machen, sie ohne Essen lassen, sie emotional und generell vernachlässigen, sie nicht genug zu lieben scheinen, um sie zu stärken. Für alles muss man einen Schein machen, aber beim Kinderkriegen gehen jene in Vorbereitungskurse, die sich das Wissen auch anlesen könnten, und die andere laufen einfach so auf die Schwangerschaft zu. Natürlich, ich weiß, man darf keinem das Kinderkriegen verbieten, aber …

Diese hilflose Wut ist da. Früher richtete sie sich auf Menschen der Spaßgesellschaft, heute auf antisolidarische Menschen und auf Eltern. Auf einige von ihnen zumindest. Und auf diese dann so richtig.

Und heute ist ein weiterer Tag, um damit klarzukommen und an ihre Kinder zu glauben. Auf geht’s.

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9 Kommentare zu „Über hilflose Wut

  1. Ja, Elternführerschein war ein von uns heiß diskutiertes Thema, als ich noch Schulelternsprecher (Grundschule) war. Wie traurig manche Schicksale von Kindern anmuteten, die beispielsweise ab 13.00 Uhr bis ca. 19.00 Uhr an jedem Tag in der Woche auf sich allein gestellt waren (und sind/weiterführende Schulen) mit all den zur Verfügung stehenden Medien und dem Reiz (der Verzweiflung) der Stadt, in der sie sich aufhielten. Oft waren es aufgeweckte junge Menschen, denen nur eine kleine Anleitung für’s Leben fehlt, weil einfach keiner da war, oder schlimmer noch, denen es gleichgültig zu sein schien, so konnte man es im Gespräch in der Schule über (leider nicht mit!) ihre Kinder erfahren. Was tun? Wann immer es geht, die Kinder mit einbeziehen, auffordern und wahrnehmen. Die Momente bei schulischen Veranstaltungen waren da sehr wenige, aber deutlich und intensiv.
    Ein Trauerspiel, wie Du schon sagtest.
    Viel Mut und Kraft für Dich in Deinem täglichen Einsatz … LG

    1. Kann man diesen Führerschein tatsächlich zum Thema machen und ihn nachträglich einfordern? Verstößt man damit nicht gegen irgendein Menschenrecht?

      1. Schwer zu sagen, da wäre eine Ethikkommision vonnöten … die dann aus wem besteht??? Der (menschen- ) gerechteren Entwicklungschancen zu Liebe wäre es richtig. Aber darin ist vielleicht die Büchse der Pandora versteckt …

      2. Ach so, ich dachte, in der Grundschule ginge es darum, nachträglich einen Elternführerschein zu machen, wenn man sieht, dass es Probleme gibt. Was natürlich besonders schwierig wäre.
        Ein Elternführerschein ernsthaft in einer Diskussion kann ich mir nicht vorstellen. Die Beschneidung der Rechte wäre zu krass.

      3. Da weiß ich jetzt nicht, wie Du es meinst? Führerschein wofür in der Grundschule?
        Ich meinte tatsächlich einen allgemeinen Elternführerschein, und ja, das sehe ich ähnlich, wie Du es siehst, die Rechte würden der Freiheit der Kinder weichen müssen. Ein Schelm, der böses dabei denkt. 😉

      4. Ich dachte, man sieht schlechte Eltern und empfiehlt ihnen Unterstützung in Form eines Elterntrainings. Was ja auch heikel wäre.
        Naja, man kann halt allen Eltern die Teilnahme anbieten, aber niemals verpflichten. Und ja, es sind dann die Kinder, die leiden, so wie es jetzt auch ist…

      5. Das habe ich, tasächlich, eine hochallergische Reaktion war zunächst mit Schnappatmung verbunden die Reaktion, aber nach einigem Gedankenaustausch wurden schon einige Schwirigkeiten kostatiert. Geändert allein hat das ganze nichts. Dieser Einzelfall allein war schon traurig, so ein begabtes Kind, so vor die Hunde, äh nein, in dem Falle Eltern gehen zu sehen, traurigst… und das ist nur EIN Fall/Kind/Mensch/Wesen/Hoffnungsträger/… Ein Fass ohne Boden, wie mir scheint …

        … so, wie es jetzt auch ist … 😦

        Liebe Grüße

  2. Ich habe null Toleranz für Eltern, die Kinder schlagen. Aber das hast du bestimmt gewusst. Aber was macht man gegen Eltern, die ihre Kinder zu Höchstleistungen zwingen? In Japan herrscht ein gewaltiger Leistungsdruck bei Schülern, der sich leider auch in Gewalt untereinander ausdrückt. Du erinnerst dich an unseren entsprechenden Dialog?

    1. Ja, daran erinnere ich mich. Gewalt gibt es natürlich auch ohne Leidensdruck. Und seine Kinder zu schlagen ist für mich leider gar nicht das Schlimmste, womit ich konfrontiert bin. Die seelischen Verletzungen durch Vernachlässigung gehen noch viel tiefer.

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