Weltenmüdigkeit (Rastlos)

Auf der Zugfahrt überkommt mich ein Anflug von Weltenmüdigkeit. Manchmal habe ich einfach keine Lust mehr, mich aufrecht zu halten und so zu tun, als ginge mich alles nichts an. Manchmal überwiegen die negativen Dinge in meinem Kopf und ich kann mich nicht darüber freuen, dass ich ein freieres Leben führe als andere Menschen und dass ich mit wenig Geld viel erreicht habe und mein Leben ändern könnte, würde ich wollen. Manchmal denke ich an Sarah und die verpassten Gelegenheiten, an Kerle, die ich nicht hätte küssen, an Entscheidungen, die ich eventuell anders hätte treffen sollen. Ich denke daran, dass ich im kommenden Monat 28 werde und kein geregelten Einkommen habe, dass meine Freunde gesicherter leben als ich, dass alle den Verlockungen des Erwachsen-Seins erliegen und ich mich weiterhin dagegen wehre. Ich denke an die Typen, die ich in diesem Jahr kennengelernt habe und an das beunruhigende Gefühl in mir, alle wichtigen Menschen in meinem Leben bereits zu kennen.

Während ich hinaussehe, die untergehende Sonne im Rücken, und die vorbeifliegende Welt vor mir in warme Farben eingetaucht wird, läuft auf meinem MP3-Player „Fairytale of New York“ – das eine Weihnachtslied, das ich das ganze Jahr über hören kann – und die kaputte, aber sehr geile Stimme von Shane MacGowan singt „I could have been someone“ und meine Tränen sitzen locker, denn wer ist es bei diesen Worten natürlich, an den ich denke?

Auszug aus meinem Roman „Rastlos„. Ihr wisst: Meinungen und Kritik sind stets willkommen!

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26 Kommentare zu „Weltenmüdigkeit (Rastlos)

  1. Sehr melancholisch .. aber trotzdem schön geschrieben. Wer kennt solche Tage nicht aus eigener Erfahrung. Gibt es bei mir auch ab und zu. Dann denke ich auch darüber nach, was ich vielleicht hätte anders machen müssen oder sollen. Aber letztendlich komme ich dann doch immer zu dem Schluss, dass es mir ja doch rehct gut geht und das Leben, auch wenn man vielleicht nicht zu den Großverdienern gehört, doch ganz entspannt und angenehm verläuft 😉

  2. Wunderschön geschrieben, mein gedanke, als ich fertig gelesen habe: arg, wieso geht der Text hier nicht weiter?

      1. ich hab ja jetzt erst gesehen, dass es ihn schon gibt. also mich hast du gelockt, muss nur noch schauen, wie ich den lesen kann *hibbel*
        Über welchen Verlag hast du eigentlich veröffentlicht, wenn ich fragen darrf?

      2. Die Taschenbuchversion wurde über CreateSpace veröffentlicht, die Kindleversion über Kindle Publishing. Es ist also im Selbstverlag geschehen.
        Das heißt, dass Schnitzer drin sein können, die mein Auge auch nach wiederholtem Lesen nicht mehr sah. Darum bin ich für Rückmeldungen jeglicher Art dankbar und werde diese, wenn sie mir einleuchten, in der „2. Auflage“ berücksichtigen. 🙂

  3. Liebe Frau Stefanini, seit ein paar Tagen hat mich in schönster Regelmäßigkeit so ein Dawardochnochwasgefühl ankrawummst. Jetzt nun endlich den Quell gefunden. Ihr Buch ist nun geordert und ich freue mich sehrst darauf. Danke für den Taschentuchknoten in Blogeintragform. Ich erwäge, Ginsengtabletten zu erwerben. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch.

    1. Liebe Frau Knoblauch, das lässt mein Herz springen. Nicht alle Textstellen sind so gedankenvoll wie diese, aber ich hoffe, dass es dennoch über die weitesten Strecken gefällt. Bitte lassen Sie es mich (gerne per Mail) genau wissen, was Zuspruch und was eventuelles Augenrollen hervorrief, sodass ich es verbessern könnte. Ein wundervolles Wochenende!

      1. Ein ebenso wundervolles Wochenende wünschend, verspreche ich Meinungsverkündigung. Mit Sicherheit sehr laienhaft, aber zugetan. Herzliche Grüße, Ihre Frau Knobloch.

  4. Wunderschön…und auch mir kommt diese Stimmng furchtbar bekannt vor. Man sehnt sich nach mehr Sicherheit und will dennoch ein freies Leben nicht aufgeben.

  5. Bin so sehr begeistert wie überrascht zu lesen, dass dies ein Auszug aus deinem Roman war, den ich bisher noch nicht entdecken durfte. Die Gedanken, die Gefühle und die vorherrschende Stimmung in nur diesen wenigen Zeilen zeugen von einer sehr lesenswerten, menschlichen Geschichte, in die man sofort tiefer eintauchen möchte.
    Ich besitze zwar kein Kindle, habe aber die App für den PC (um eine Kurzgeschichte einer anderen Bloggerin lesen zu können), sodass ich deinen Roman demnächst mit bestimmter Sicherheit lesen werde! 🙂
    Liebe Grüße,
    Jim

    1. Hi, das finde ich gut ☺ wobei ich immer lieber darauf hinweise, dass es eher frauen sind, die mir bisher positives zurückgemeldet haben. Darum wäre natürlich deine meinung einerseits gefürchtet, andererseits willkommen, lieber gruß!

  6. Sehr gut. Bin nicht weniger neugierig. 😉

    Eine Frage, die überhaupt nicht boshaft gemeint ist: Hat es der Rechtschreibfehler in Zeile 9 ins Buch geschafft oder ist das ein Blog-Ding?

    Ich geh mal gucken was das kostet …

    PS: Warum ist das für Männer nix / soll das für Männer nix sein?

    1. Nein, leider im Buch auch noch drin. (Deutschlehrern es zur Korrektur zu geben, reicht eben auch nicht immer. Und selbst eine zu sein sowieso bei eigenem Geschriebenen erst recht nicht.
      Ich kenne zumindest keine Männer, die Bücher, die im Kern über Beziehungen handeln, bevorzugen. …

    2. (Und hab von nem Mann auch noch keine positive Rückmeldung zum Inhalt bekommen. Mein Freund mochte den Schreibstil und den Humor, aber konnte mit der Geschichte an sich wenig anfangen.)

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