Bloggedanken

Ich bin dagegen. Z.B. dagegen, Artikel und Geschichten für immer in den Blogtiefen verschwinden zu lassen. Darum krame ich immer einmal wieder Geschreibsel hervor, das einige schon kennen, aber Neuhinzugekommene nicht. Wieso denn nicht Einträge, die man selbst aus unterschiedlichen Gründen mag, wiederveröffentlichen? Und interessant dabei ist ja auch, dass andere sie offenbar ebenso mochten – wie man anhand der Statistiken sieht.

Der meist-gelikte Beitrag hier ist Dagegen (76), der meist kommentierte ist Das Schicksal mit seinen Schlägen (43) und der meist angeklickte ist Die Freiheit im Alleinsein (294). Ich glaube, sie wurden von euch aus ganz unterschiedlichen Gründen gemocht, denn sie sind auch ganz unterschiedlicher Art: Der erste, weil er Gesellschaftskritik enthält, der sich viele von euch anschließen würden, und ein Foto. Der zweite, weil er zum Gedenken an einen Freund geschrieben wurde, und der dritte, weil es eine mutmachende, allerdings fiktionale Geschichte ist.

Wenn ich diese drei Beiträge vergleiche, dann zeigt sich aber vor allem eins: Das, was wirklich aus meinem tiefsten Innersten kommt, ist offenbar das, was am meisten gefällt. Vielleicht weil es am ehrlichsten ist. Dennoch habe ich gewisse Grenzen, die ich beim Schreiben nicht überschreiten werde: Ich werde aktuelle, sehr persönliche Geschehnisse nicht oder höchstens verschlüsselt mit euch teilen. Ich werde bei tatsächlich Erlebtem nie die wahren Namen nennen. Und vor allem werde ich manchmal im Unklaren lassen, was tatsächlich erlebt und was fiktional ist. Denn für euch ist es ja doch einerlei. Vielleicht bin ich im Ganzen eine Kunstfigur. Wer weiß das schon so genau?

Befugt, anderen Bloggern Ratschläge zu erteilen, fühle ich mich eigentlich nicht. Wie man schnell viele Follower erreicht, weiß ich auch nach zwei Blogjahren nicht. Da gibt es einige, die das viel besser können. Aber es geht auch vielleicht gar nicht so sehr um diese Zahl, sondern darum, dass man es aus Spaß am Schreiben macht. Und vielleicht kann man sich – vor allem als junger bzw. jugendlicher Blogger – ja zu Herzen nehmen, was ich bei meinem Schreiben beachte?!

Cloudworkers stellten als Blogparade die Frage nach den besten Blogbeiträgen. Und ich würde euch fragen: Wann gefallen euch Artikel besonders gut? Lest ihr eher gesellschaftskritisches, Erlebtes, Erdachtes …?

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18 Kommentare zu „Bloggedanken

  1. Warum mir einige deiner Beiträge besser gefallen als andere? Nun ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es an deiner Art des Schreibens die ich so toll finde, vielleicht da ich selbst nicht in der Lage bin sie mir anzueignen. Vielleicht sind es auch die Thematiken die mich beschäftigen und die ich selbst nicht schaffe zu Papier zu bringen. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der Persöhnlichkeit deines Blogs, der uns die Person dahinter nur erahnen lässt. Ich weiß es nicht, doch es ist etwas fesselndes das mich vom ersten bis zum letzten Buchstsben jedes Beitrages nicht loslässt.

    1. Oh 🙂 Danke für dein Lob! Das freut mich sehr!

      Ich meinte es aber eigentlich viel genereller: Also welche Beiträge/Blogs du generell am meisten liest: Eher Reales oder Fiktionales oder Rezensionen oder Gesellschaftskritisches usw.

      1. Kann man das so genau überhaupt differenzieren? Ich glaube oft verschwimmen all diese Dinge und wie du selbst sagst gerade bei dir ist schwer Fiktionelles von Realem zu unterscheiden. Vielleicht bist du wirklich nur eine Kunstfigur die uns alle an der Nase herrum führt. 😀

  2. Zitat: „Und vor allem werde ich oft im Unklaren lassen, was tatsächlich erlebt und was fiktional ist.“

    Was ist mit deinen Reiseberichten und Tagebucheinträgen?

    Mit solchen Aussagen verwirrst du deine LeserInnen. Auch damit, dass du vielleicht nur eine Kunstfigur bist. Warum sollten wir über das Leben einer Kunstfigur lesen? Du bist es, der die Menschen interessiert. Fiktionale Literatur sollte immer gekennzeichnet sein.

    1. Reiseberichte? Ach, du meinst Australien damals? Stimmt.

      Ich sage ja nicht, dass ich eine Kunstfigur bin. Das kann ja schon deswegen kaum sein, weil mein ganzer Name hier steht und auch auf mein Buch verwiesen wird. Nur, dass es sein könnte. und bei manchen Blogs ist es ja so … Zum Beispiel hast du eher als eine solche begonnen, indem du deinen Gravatar aus Second Life nahmst. Das ist für mich eine Kunstfigur. Dennoch würde ich denken, gibst du viel aus deinem Leben und deinen Gedanken preis. Aber wie viel – wer weiß das schon?

      Und aktuelle Tagebucheinträge wird man hier nicht finden. Die Aktuellsten sind, wenn ich mich recht erinnere, 15 Jahre alt. Ich habe die Kategorien „Leben“ und „Schreiben“ – Das kennzeichnet dann schon das Erdachte vom Erlebten.

      Natürlich steckt viel von mir hier drin. Ebenso wie in meinem Roman einiges drinsteckt, sodass meine Tante meinte: „Ich konnte das nciht lesen, es war zu persönlich.“ Obwohl keine Situation im Roman in meinem Leben je stattgefunden hat.

  3. Mir gefallen am besten fiktionale Beiträge, die schon fast poetisch sind und Buchrezensionen. Und … ja, man kann herauslesen, wenn die Seele der Autorin/des Autoren drin steckt 🙂 Viele likes entstehen aber manchmal durch den Herden-Like-Trieb (no offence!), wo schon ein paar likes sind, da gesellen sich gerne weitere dazu….

    1. Ich habe oft den Eindruck, also generell in der Bloggersphäre, dass es gerade nicht die fiktionalen Texte sind, die andere vor allem lesen. Darum freue ich mich, dass es bei dir anders ist.
      Blogs mit Buchrezensionen sind mir mittlerweile einfach zu zahlreich. Nur ganz wenige sind da in meiner Liste.
      Und das mit dem Herdentrieb habe ich so noch nicht festgestellt, ich hatte eher den Eindruck, es werden bei den Personen viele Sternchen gedrückt, von denen man auch welche bekommen hat – und dann werden die Beiträge oft nicht wirklich gelesen …

  4. Gesellschaftskritik ist immer so eine Sache… jene, die derselben Meinung sind, finden sie super, einfach weil jemand anderes etwas ähnliches denkt. (Und Menschen suchen sich ja gerne Gleichgesinnte) Jene, die anders denken, finden sie fürchterlich. Aus den umgekehrten Gründen.
    Mir gefallen vor allem Beiträge, die mich in irgendeiner Weise bewegen, oder auch überraschen, oder überrumpeln.
    Bei deinem Blog speziell gefällt mir einfach die ganz besondere Art des Schreibens, die du hast. Genau erklären, könnte ich das nicht, aber deine Texte stechen für mich positiv heraus. Deswegen lese ich sie gerne. :3

  5. So wichtig gesellschaftskritische Einträge sind, soviel Zeit fordern sie aber auch, um sich drauf einzulassen. Zeit, die manchmal fehlt. Erlebtes und Erdachtes vermischt sich wohl oft, da fällt eine Entscheidung schwer. Andere schruben es bereits, bei Ihnen ist es die ganz eigene Schreibe, die einen in den Bann zieht und mich immer wieder herkommen läßt, auch wenn ich selten Silben hinterlasse.
    Zustimmung auch zu Ihren Worten zum Thema Spaßamschreiben, wenn der nicht herauszulesen ist, dann bleibe ich auch fern. Reine Zitatblogs langweilen mich beispielsweise.
    Herzliche Grüße, Ihre Käthe Knobloch.

  6. Hallo Stefanini,

    du fragst: „Wann gefallen euch Artikel besonders gut? Lest ihr eher gesellschaftskritisches, Erlebtes, Erdachtes …?“
    Auf deine Blogs bin ich gerade erst durch ein „like“ von dir mei meinem Beitrag zur Blogparade gestoßen. Also kann ich zu deinen Artikeln vernünftiger Weise nichts sagen.

    Aber so ganz allgemein faszinieren mich Blogs, die mich persönlich weiterbringen und meinen Horizont erweitern. Die mich auch dazu anregen, mich selbst und meine Rolle in der Welt zu hinterfragen. Dabei bin ich keineswegs ein Grübler. Viel mehr ein Entdeckungsreisender. Ich bin ein neugieriger Mensch.

    I like to think out of the box, – Englisch ist da so schön griffig!

    Ein Beispiel: https://seinsdualitaet.wordpress.com/idee/

    Dieses ist ein Dialogblog zweier Menschen, die in völlig unterschiedlichen Wahrnehmungswelten zu leben scheinen. Sie, Sophie, ist Autistin und sucht die Hilfe eines Therapeuten, um ihren Platz in einer für sie irritierenden Umwelt zu finden. Er, Platon, ist fasziniert von ihrer Andersartigkeit und möchte gerade ihr Anders-Sein begreifen. Eine reale, absolut authentische Geschichte, die man unbedingt von Anfang an, also mit dem ältesten Post beginnend, lesen sollte.

    Interessieren mich persönliche Schicksale? Eigentlich nicht. Ich stecke meine Nase nicht gern in anderer Leute Privatangelegenheiten. Aber gelegentlich packt mich doch schon ein biographischer Blog. So wie dieser, den man ebenfalls von Anfang an lesen sollte: https://sternenreisende.wordpress.com/2013/09/26/autismus-wie-alles-begann/
    Ein Schicksal, dass ich fast als „grotesk“ bezeichnen würde. Ich überlegte zeitweilig tatsächlich, ob das alles nicht erfunden war. Nein, war es nicht. Es war sogar noch grotesker, noch grauenvoller, wie ich inzwischen erfahren habe. Die Bloggerin nahm sich im Dezember das Leben.

    Was bedeutet das für mich? Es geht um die Erkenntnis, dass es das Unbeschreibliche, das Unfassbare ganz in unserer Nähe ereignen kann, ohne dass wir es wahrnehmen. Das rüttelt auf, es macht wach und aufmerksam!

    Aber dann gibt es natürlich noch die leichten Blogs. Mit Impressionen, Fotos, Gedichten. Es gibt viele davon, mehr oder weniger gute. Aber manchmal ist es einfach schön, wenn einem ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert wird, wenn man mal „hach!“ sagt und dann frohgemut wieder an sein Tagewerk gehen kann. https://heuteschongelebt.wordpress.com/2015/06/15/auch/

    In diesem Sinne, liebe kollegiale Grüße von

    Ismael

    1. Lieber Ismael, danke für die Hinweise: Ich werde deine Blogempfehlungen gleich genauer ansehen. Allerdings fällt mir da doch schon auf: Das Reale scheint dich mehr zu interessieren, als die Fiktion, oder? Lieber Gruß!

      1. Hm, eine schwere Frage!
        Sagen wir es so: Ich werde mit so vielen realen und z. T. sehr dramatischen Geschichten konfrontiert, dass ich kaum Fiktives brauche.

        Bei Fiktion bin ich überdies zur Passivität verdammt. Ich kann sie gut oder schlecht finden, viel mehr aber nicht.
        Bei realen Blogs kann ich interagieren, nachfragen, Mut machen, mich solidarisch zeigen, was auch immer. Ich habe tatsächlich mit recht vielen Bloggern echte Freundschaften geschlossen!
        Aber einen real-biographischen Blog einfch nur zu lesen hätte für mich wiederum einen voyeuristischen Touch, und das mag ich nicht.

        Aber eines ist klar: Man kann und darf nicht alles ins Netz stellen. Manches muss verfremdet oder literarisch verarbeitet werden.

  7. Was ist schon real, was ist Fiktion? Sobald ich anfange, eine Situation zu memorieren, löse ich mich von der Realität, indem ich Sachen hervorhebe, die MIR auffallen und für wichtig erachte, die ein anderer Beobachter der Szene vielleicht vollkommen unwichtig finde. Und dann fange ich an, das Erlebnis zu beschreiben, verdichte, reichere mit Gedanken und Gefühlen an. Das ist dann zwar noch authentisch, aber real ist es nicht. War es niemals, weil Rwalität immer jemandes Realität ist und als große Erzählung konstruiert ist.
    Von daher unterscheide ich gar nicht groß in dem, was ich lese. Ich lese vieles und ich like das, was mich anspricht, was mich nachdenklich macht, wenn es um Gesellschaftskritik oder Philosophie geht auch schonmal das, was mich ärgert, weil es eine Diskussion provoziert… Oder weil ich mich ärgere, dass jemand ein besseres Argument als ich hat. Und manchmal like ich auch etwas, weil es schön erzählt ist. Wen ich da genau like, bekomme ich meist erst mit, wenn ich mich in die Diskussion unten drunter verlaufe. 🙂

  8. Eine Kategorie kann ich nicht nennen. Es kommt ganz auf das Thema an. Die Charakterstudien fand ich total ungewöhnlich. Das Wort sagt schon alles. Ich fand es sehr interessant und hat mich … irgendwie weitergebracht. Ich meine es hat mir im täglichen Leben geholfen. Ich finde schwer zu erklären warum.

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