Wortfriedhof: inkommodieren

Die Österreicher unter euch kennen es vielleicht noch: inkommodieren. Liselotte von der Pfalz, die eine sehr offene Feder hatte, sagte laut wikiquote über Prinz Eugen Franz von Savoyen-Carignan (1663–1736), : „Er incommodiert sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser sein Sach.“ Die Übertragung des Wortes lässt den Satz allerdings bissiger erscheinen, denn es könnte ja auch einfach „umgeben“ heißen.

Aber: Es bedeutet, übernommen aus dem Französischen im 17. Jahrhundert: belästigen, stören, jemandem Unannehmlichkeiten oder Mühe bereiten; „verunbequemen“. Bzw. wenn man es reflexiv nutzt, macht man sich Mühe/Umstände.

Ob es aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist, weil man sich nun weniger Mühe macht? Aber nein, denn belästigt und gestört fühlen wir uns ja dennoch oft.

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8 Kommentare zu „Wortfriedhof: inkommodieren

  1. Durch die zunehmende Verbreitung der englischen Sprache, durch eingedeutschte Worte, verschwinden solche Kostbarkeiten. Alles ist cool, hip, Loser und Chicks umgeben uns, Frisuren sind „trendy“ und Handys gibt es auch. Ich finde es gut solche Worte (wieder!) zu entdecken und sie so der Nachwelt zu bewahren.

    1. Ich will da nicht so stark an den alten Worten festhalten. Also ich sehe mich nicht unbedingt „inkommodieren“ verwenden. Aber wieso ein solches Wort außer Gebrauch kommt, interessiert mich eben schon.

    2. Man gewöhnt sich schon an manche dieser Wörter, wenn auch nicht an alle. Die Jugendsprache ist der erste Schritt der Sprachentwicklung. Nicht alles an dem, was meine Klassenkameraden reden ist wirklich brauchbar, aber wenn sich Sprache nicht entwickeln würden, würden wir ja schließlich immer noch Keltisch oder Germanisch reden…
      Klar, ich mag diese ganzen Wörter auch nicht alle, aber verteufeln würde ich sie auch nicht.

  2. Ihr seht mich indigniert auf dieses Textlein blicken, allein wegen des unhöflichen (!!!) Zitates von einer Hofdame, der es an Contenance ab und an zu mangeln schien.

    1. Ihr mangelte es, soweit ich noch aus meinem Studium weiß, dauernd daran. Eigentlich ist sie eine interessante Frau, wenn man ihr Geläster erträgt.

  3. Doch, das Wort kannte ich – ich weiß aber nicht mehr, woher. Ein schönes Wörtchen, das zu benutzen doch eigentlich weniger inkommodiert als die Umschreibung „Umstände bereiten, (sich) Mühe machen“.

    Benutzen werde ich vermutlich trotzdem nicht, denn es inkommodiert doch arg, wenn die Gesprächspartner einen nicht mehr verstehen 😉 Und so teilt das Wort das Schicksal so vieler seiner Kameraden auf dem Wortfriedhof…

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