Deutschland – Ein Wintermärchen

Schon als der Deutschlehrer, der bereits Schiller und Goethe (und Lessing … ) an uns herangeführt hatte, uns sagte, das nächste zu lesende Werk sei „Deutschland – Ein Wintermärchen“, wusste ich, dass ich es lieben würde. Natürlich wegen des „Märchens“ im Titel. Dass das eigentlich ironisch gemeint war, konnte ich ja als Heine-Nichtkenner und 16- oder 17-jährige Schulgöre nicht wissen. Aber ich liebte es dennoch. Wahrscheinlich gerade wegen des Sarkasmus‘.

Heinrich Heine wurde zu einem meiner liebsten deutschen Schriftsteller, vielleicht weil er eben kein wirklich deutscher Schriftsteller war. Vielmehr sehe ich in ihm einen der ersten und einen der echten Europäer. Und wie so viele Schriftstellerbiografien ist auch Heines keine besonders glückliche – aber vielleicht brauchen das die Großen, um Großes schreiben zu können.

In „Deutschland – Ein Wintermärchen“ rechnet er wunderbar ironisch und doch voll tiefer Heimatliebe mit Deutschland ab:

Die sonst so leichte französische Luft, / Sie fing an mich zu drücken; / Ich mußte Atem schöpfen hier / In Deutschland, um nicht zu ersticken.

Und er spricht von seinen Träumen, seinen Wünschen, seinen Zielen  – deren Verwirklichung wir um ein so Vieles nähergekommen sind:

Ein neues Lied, ein besseres Lied,/  O Freunde, will ich Euch dichten! / Wir wollen hier auf Erden schon / Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich seyn, / Und wollen nicht mehr darben; / Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, / Was fleißige Hände erwarben.

Mich, die schon damals nicht an das Reich nach dem Tod glaubte, sprachen bereits diese fast ersten Verse des Werkes an. Und ich verstand schon damals eins nicht: Die Errichtung des Himmelreiches auf Erden ist für so, so, so viele mehr mittlerweile möglich. Warum errichten wir es nicht einfach? Für uns und für so viele um uns, die wir packen können.

4 Gedanken zu “Deutschland – Ein Wintermärchen

      1. Ich hatte einen sehr guten Lehrer, der mir den Woyzeck nahe brachte. Das ist auch bis heute mein Lieblingsdrama geblieben. In meiner rebellischen Phase fühlte ich mich dann sehr von dem Landboten angezogen. Der Lenz kam später und bis heute gefällt mir die Sprache dort außerordentlich, aber auch die Bilder sind unerreicht.

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