Keine Kumpelliebe (19)

Alex, du weißt, dass du nichts für mich tun kannst. Ich bin schon wieder da, wo ich Anfang des Jahres war und das macht die Sache zwischen uns unmöglich. Wir vertrauen uns alles an, wir bauen uns gegenseitig auf, wenn es uns schlecht geht, wir erzählen von unseren Schwächen und Träumen und von Dingen, die wir getan haben oder tun werden – abgesehen von irgendwelchen neuen Bekanntschaften zumindest, wir spinnen irgendwelche Traumszenarien um den anderen herum, wir finden es seltsam, wenn wir zweieinhalb Tage keinen Kontakt miteinander haben, wir fühlen uns ziemlich offensichtlich zueinander hingezogen, aber ich bin nur immer „wieder mal“ in deinem Leben zu integrieren, weil du von mir nicht mehr willst.

Ich wusste bloß auch, dass, wenn ich das Thema hier anschneide, ich unserer Freundschaft einen weiteren Todesstoß versetzen muss, aber als dann auch noch dieser Traum kam … Ich glaube, ich war ein halber Zombie an dem Tag. Und der Traum ging noch weiter, denn zwar starb das Baby und das war natürlich traurig, aber wir gingen pragmatisch davon aus, dass wir „einfach“ ein weiteres in die Welt bringen könnten. Egal, wie man den Traum interpretiert – ich brauche keinen Traum, um zu wissen, dass ich bereit bin, mehr zu geben als du. Und ich verletze mich lieber jetzt selbst, als irgendwann neben deiner neuen Flamme zu stehen und gezwungen lächeln zu müssen. Es macht mich traurig, dass es ist, wie es ist, aber ich weiß einfach nicht, wie wir es anders hinbekommen können, als so, dass ich dich wieder aus meinem Leben tilge. Für alles andere bin ich nicht stark – oder gefühlskalt – genug. Und das war genau das, was ich vermeiden wollte und wieso ich nichts gesagt habe; aber im Endeffekt weiß ich keine andere Lösung…

… schrieb sie ihm. Und er antwortete, dass er das so hinnehmen müsse, aber dass sie ihm wichtig sei, der Sex auch, aber alles andere zwischen ihnen noch mehr. Und er hoffe, er hoffe wirklich, dass das Tilgen nicht für immer sein würde.

Es folgten die drei dunkelsten Monate ihres Lebens. Mit so viel Tränen und so viel Selbstmitleid. Drei Monate, die es brauchte, um aus dem tiefen Loch herauszukrabbeln.

Aber das Tilgen, das war für immer.

11 Gedanken zu “Keine Kumpelliebe (19)

  1. Da war sie ja schwer verliebt wenn sie ganze drei Monate brauchte.
    Immerhin hat das Leiden ein Ende.

    Nun es als Kompliment, dass ich die beiden Menschen nicht leiden kann wegen ihrer „Blindheit“. 😉 immer wieder hebe ich mich geärgert, wenn ihrer beider Tortour in die nächste Runde ging.

      1. Aber es hätte ja passieren können, dass er irgendwann versteht wie wertvoll diese Verbindung ist und es keine schönere Art der Liebe geben kann.

      2. Das ist leider oft das problem. Dass wir frauen darauf hoffen. Und meiner erfahrung nach muss schon das erste gefühl für den mann stimmen, ansonsten ist er „einfachnichtverliebt“

  2. Ja, es war wohl nötig, ganz brutal einen Schlussstrich zu ziehen. Auch wenn’s wehtut. Aber nach den drei Monaten hat sie die Chance, wieder neu anzufangen – allein oder mit einem anderen, aber ohne diese doch offensichtlich starke Bindung an einen, mit dem es nie so klappen wird, wie sie sich das wünscht.

    Aber weh tut es eben erst mal, nicht wahr? Und da kann man sich noch so oft sagen, wie vernünftig der Entschluss war…

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