Nächte – Kumpelliebe? (18)

Ich fürchte, ich bin mit meinem Herzen drin. Zu tief, als dass wir weitertreiben sollten, was wir tun, aber auch zu tief, um aufhören zu können. Ich glaube, ich komme da nicht raus. Und die Vorstellung, dass Alex mit jemand anderem glücklich ist, ist vollkommen unmöglich.
(Nach einer weiteren gemeinsamen Nacht.)

Er erzählte ihr von seinen Ängsten anderen Menschen gegenüber, die er eigentlich als seine Freunde ansah. Dann gingen sie ins Bett, redeten, streichelten, küssten, schliefen miteinander, küssten, kuschelten, schliefen ein, wachten auf, krochen zurück in die Arme des anderen, streichelten, schliefen miteinander … Es war so rundum passend in seinen Armen, an seinem Körper zu sein – es ergänzte sich so perfekt. Perfekt. (Eine weitere gemeinsame Nacht eine Woche später.)

Er lud sie zum Essen ein und beichtete ihr, dass er sich schäme, das mit dem Job und mit der Suche nach einem neuen nicht hinzukriegen, und dass er die Zeit gerne zehn Jahre zurückstellen würde. Und sie erklärte, dass es so schade sei, dass er das Gute der letzten zehn Jahre nicht anerkennen könne und alles für ihn so negativ sei. Bei ihm schliefen sie auf dem Sofa, in seinem Bett und zweimal am nächsten Morgen miteinander. Und sie hatte ein solches Grundvertrauen zu ihm, wie sie es bisher zu niemandem gehabt hatte. Und sie wünschte sich, dass es für ihn nicht normal wäre, wie ihre Körper aufeinander reagierten. (Eine weitere gemeinsame Nacht eine Woche später.)

Als er sie im Arm hielt, ihre Stirn, ihre Schläfe küsste, sie streichelte, ihren Hals, die Kuhle in der Halsbeuge, ihren Nacken entlang strich, da dachte sie, dass sie ihn liebte, und dass seine Empfindungen nicht zu anders sein dürften. Was sie aber waren. Zärtlichste Gesten ohne tiefe Gefühle wird sie nie verstehen. (Eine weitere gemeinsame Nacht eine Woche später.)

Ihre Körper fügten sich so exakt aneinander, dass es sie erstaunte – immer noch. Es war wie ein Maßanzug, der sich um sie, an sie legte. Als sie sich küssten und beieinander lagen, dachte sie, dass er ihre Gefühle spüren müsste. Im Laufe der letzten Woche war ihr bewusst geworden, dass sie sich vorstellen konnte, dass er der letzte Mann sein würde, mit dem sie schlief, weil sie kaum glauben konnte, dass irgendwer an dieses Gefühl heranreichen würde. (Eine weitere gemeinsame Nacht zwei Wochen später.)

Dann hatte sie einen Traum. Sie wohnten in einem kleinen Haus und hatten ein Kind. Das steckten sie in die Badewanne und vergaßen es dann dort, während sie miteinander schliefen. Als sie es rausholen wollten, war es tot. Natürlich war das schrecklich, aber sie trösteten einander damit, dass ein weiteres Kind unterwegs sei.

Und da wusste sie: Sie konnte nicht mehr.

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7 Kommentare zu „Nächte – Kumpelliebe? (18)

      1. Offensichtlich solche, dass man sich überlegen muss, ob es für die Psyche gut wäre, würde es in irgendeiner Form weitergehen.

  1. Es gefällt mir ganz und gar nicht. Vielleicht weil ich mich momentan zu sehr selbst darin erkenne. Wozu denn all die Worte, all die Zärtlichkeit? Was braucht es denn noch um jemanden glücklich zu machen? Dieses Aufpassen sich nicht zu verlieren…funktioniert nicht ohne den anderen.

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