Abstand – Kumpelliebe? (16)

Abstand bekommt man manchmal, wenn man den Kontakt einschränkt. Aber manchmal nicht. Manchmal verstärkt es nur die Sehnsucht und man verliert sich in Träumereien, wie die nächsten Treffen aussehen sollen.

Waren sie unter den Freunden, schwiegen sie einander an – was von ihrer Seite aus kam, weil sie, wusste sie nicht mit einer Person umzugehen, sie einfach ignorierte. Doch als sie in seiner Stadt war, meldete sie sich bei ihm und sie verabredeten, abends etwas trinken zu gehen. Einfach so. Um noch einmal auszuprobieren, ob sie Freunde sein könnten.

Das Sommergewitter kam ihnen in die Quere. Auf dem Weg zum Treffpunkt wurde es düster und der Regen prasselte auf sie nieder. Sie sprang über Pfützen, versuchte Abkürzungen zu finden, eilte durch U-Bahnhöfe, aber nass bis auf die Haut war sie dennoch. Darum kehrte sie bei ihm ein, er gab ihr Klamotten und sie wartete. Würde wieder etwas laufen? Oder könnten sie tatsächlich Zeit miteinander verbringen, ohne im Bett zu landen?

Sie hielten Sicherheitsabstand voneinander. Er saß auf der einen, sie auf der anderen Couch. Vier Stunden redeten sie. Nie über sich, aber über alles sonst. Und dann ging sie. Und kaum war sie von ihm fort, verlangte ihr Körper nach ihm. Und ihr Kopf fragte sich, wieso sie sich Geheimstes anvertrauen konnten, ohne dass seinerseits verstanden wurde, dass diese Verbindung von Körper und Innerem zwischen zwei Menschen nicht alltäglich sein kann und ziemlich wertgeschätzt werden sollte.

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