Weltflucht

Diese Welt hasst dich. Ja, sie tut es. Ihr ist es egal, wer du bist und was du weißt. Denn sie macht einfach ihre Augen zu – vor dir. Einfach zu. Kennst du das Gefühl? Alles, was du machst, ist eh sinnlos und wird nicht honoriert, alles, was du weißt, ist gemessen an allem anderen noch zu wenig. Tränen der Wut sitzen locker und du atmest tief ein. Dann überkommt dich dieser wahnsinnige Gedanke: Ich könnte doch weg. Einfach weg.

Und der Gedanke geht nicht fort, er ist festgehaftet, angetackert, eingegraben in deinem Hirn. Weg, weg, weg. Untertauchen und verschwinden. Gehen oder fahren, egal wohin.

Also packst du deine Sachen, schließt die Tür hinter dir ab und setzt sich in den Wagen. Du fährst soweit der Sprit reicht und betrittst das nächste Hotel. Du buchst ein Zimmer, lässt dich in die weichen Decken fallen und atmest. Immer noch ist Wut in deinem Bauch, immer noch verkrampfen sich deine Hände zu Fäusten, immer noch wirst du halb irre von dem Gedanken, dass die Welt dich falsch sieht, dass sie dein wahres Gesicht nicht kennt. Irgendwann schläfst du ein.

Und als du am nächsten Tag erwachst, siehst du dich im Zimmer um. Ein fremdes Zimmer. Ein neuer Tag.

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27 Kommentare zu „Weltflucht

      1. Ja, das stimmt. Aber deswegen ist ein Urlaub auch immer mal wieder wichtig und dann auch bitte für mehr als einen Tag, denn zumindest für mich muss ich sagen, dass es meist nicht mit dem nächsten Morgen schon getan ist 😉

      2. Aber erstens klingt es besser so am Ende und zweitens sind viele Situationen, in denen man denkt: „Scheiße, mich hat jemand zu unrecht so oder so eingeschätzt/beurteilt/benotet“ am nächsten Tag, wenn die erste Wut verraucht ist, nur noch halb so schlimm… 🙂

      3. Ich wollte nur gar keine Kritik äußern, sondern eigentlich nur beipflichten, dass ich das sehr gut kenne, mir aber eben gern auch ein paar Tage mehr Auszeit gönne. 😉

  1. Kenne ich auch, manchmal braucht man zu Problemen Distanz, um die Sache besser zu erkennen. Innerhalb der Konfliktsituation reagiert man meistens zu emotional und alles wird schlimmer. Sachlichkeit ist zwar nicht immer authentisch, aber hilfreich.

  2. Ich hab dieses Gefühl zwei-, dreimal im Jahr… Und bin wahnsinnig froh, dass es am nächsten Morgen schon besser ist, viel besser meistens 🙂 Lustigerweise hilft bei mir auch essen – dieses Gefühl von „ichmusshierwegdaskotztmichallesan“ habe ich meist, wenn ich lange nichts gegessen habe – was mir aber nicht bewusst ist… 🙂

  3. Was wirklich für so Tagesfluchten sehr geeignet ist, ist ein Zelt in wilder Natur. Ne Stunde mit der Bahn raus aus der Stadt und rein in die Wiesen, Felder und Wälder 🙂 Das macht den Kopf komplett frei und gibt einem ein gutes Gefühl der Spontanität wegen.

  4. Wenn ich anmerken darf, will die Welt , die die Augen verschließt, möglicherweise ja nur blinde Kuh spielen. Oder, auch das möglich, hat sie die Augen zu, weil die Welt glaubt, seh ich nicht, werde ich nicht gesehen.
    Die Welt ist Vorstellung und esse ist percipi. Wenn die Welt nichts sieht, so sind die Vorstellungen „zappenduster“ (Wort f. den Wortfriedhof?).

    1. Vielleicht will die Welt auch gar nichts spielen und die dargestellte Person ist eine Dramakönigin, die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht und deswegen erstmal im eine Nacht drüber schlafen sollte.
      PS „zappenduster“ halte ich noch für ein recht bekanntes Wort; aber ehe ich im Alphabet bei ihm angekomme, könnte es unbekannt geworden sein. 🙂

  5. Gehört wohl zu den allgemein menschlichen Zügen. Fluchtverhalten scheint angeboren. Vertraut und nah. Und immer wieder gibt es Tage, an denen das Bedürfnis so stark ist. Wenn auch zu schwierig umsetzbar und so brauch ich immer ein anderes Ventil. Spazieren und saugen. Häufig ist nicht mehr drin…

  6. Wunderbarer Text.. besser hättest du mein momentanes Denken nicht beschreiben können, zumindest was meine berufliche Situation angeht..in einen Campingbus steigen und durch die Welt reisen, die Natur genießen und darüber schreiben…. das klingt perfekt, nach meiner Idealwelt..
    ich werde Sie in meinem Artikel zu diesem Thema verlinken müssen meine Liebe..:)

  7. Eine (Welt)Flucht kann niemals die Lösung sein. Du läufst, oder fährst Problemen nie davon. Die fahren immer mit. Aber sich einfach (mit Elfe) in den Roadster setzen, den Wind ums Näschen wehen lassen, das macht trotzdem Spaß und den Kopf frei. Ich geh dann mal eben flüchten 😉

    1. Ähnliches antwortete ich auch schon Sophie. Die Probleme bleiben. Aber manchmal tut eine Pause von ihnen dennoch ganz gut 🙂 Also ab in den Roadster.

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