Wortfriedhof: Hagestolz

Brainstorming: Hage von Hagel, (Un)behagen oder so etwas und stolz ist ja eigentlich klar. Also … ? Zeige mir einen, der sich dieses Wort in irgendeiner Weise herleiten kann. Ich kann es nicht.

Ein Hagestolz ist ein Mann, von dem es heutzutage wieder mehr zu geben scheint, sodass der Begriff eigentlich nicht aussterben bräuchte. Dieser so bezeichnete Mann ist unverheiratet und alleinstehend. Nein, jetzt einfach nickend „Single! Sag das doch.“ zu rufen ist verfrüht, denn etwas Wichtiges fehlt noch: Es ist ein älterer, eingefleischter, etwas verschrobener Junggeselle.

Das sagt zumindest Dudens Wortfriedhof. Das etymologische Wörterbuch von Kluge ist ein wenig vorsichtiger, spricht nur von dem „unverheirateten Mann“ und ergänzt, dass die nordische (haukstaldr) und englische (haegsteald) Bedeutung „junger Krieger“ meint. Das hat nun wiederum gar nichts mit dem verschrobenen älteren Herren zu tun. Wie kommt es denn zu dieser Bedeutungsverschiebung?

Während der Kluge erneut behutsam bleibt (Die Bestandteile des Wortes seien „Hag“ = umzäuntes Grundstück und „staldan“ = besitzen), prescht der Wikipedia-Artikel vor. Da im/auf dem (?) Hag oft eine kleine Hütte stand und diese von einem nicht erbberechtigten Sohn bewohnt wurde, stamme der Begriff wohl dorther, denn dieser ohne eigenes Einkommen lebende Mann habe sich keine Familie leisten können. Später (ETA Hoffmann, Goethe und Kleist nutzten den Begriff schon ungefähr so) sei es dann zu einer ähnlichen Bedeutung wie vom Misogamisten gekommen.

Wenn ich mir einige meiner Freunde ansehe und begutachte, wie wenig sie auch jenseits der 30 bereit sind, die Freiheiten ihres Single-Dasein dran zu geben, glaube ich, dass sie zu Hagestolzen werden können. Und verschroben werden wir im Alter ja sowieso …

13 Gedanken zu “Wortfriedhof: Hagestolz

  1. Hagestolz — Junggeselle, v. a. Ü30. Wahrscheinlich vom „Hag“ (dieses kleine Gärtchen bzw. noch älter: die [Dornen-]Hecke um dieses Gärtchen herum [Hagazussa — die Hex‘]); und der -stolz wird auf die gleiche Wurzel zurückgehen wie das stehen, stellen, die Ge-stalt. So, und jetzt geh ich nachlesen, ob ich richtig geraten habe …

      1. Hab grad bei Wikipedia nachgelesen. War mir mit der Herleitung von „-stolz“ absolut nicht sicher und selbst über meinen Treffer erstaunt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s