Jugendbuch: Tschick

Klar, Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ konnte durch das zu frühe Ableben seines Autors vermutlich noch einmal viel besser vermarktet werden als ohnehin schon. Und irgendwie ist es eines von diesen Büchern geworden, die man überall liegen sieht und immer denkt: „Soll ich?“ und dann „Ach nee, das ist so etwas wie ‚Crazy‘.“ Aber nein, das ist es nicht. Und ja, es ist lesenswert. Sage ich.

Aber auch da werden die Meinungen auseinandergehen. Ich sehe schon die Eltern vor mir sitzen, mit deren Kindern ich es als Klassenlektüre durchnehme und die mir sagen: „Ich möchte nicht, dass mein Kind ein Buch mit einer solchen Ausdrucksweise liest! Wieso lesen Sie nicht zum Beispiel einen Roman in guter Sprache, zum Beispiel etwas Einfaches von Kafka?“

Die Sprache in Herrndorfs Roman kann man aber wunderbar zu einem Thema machen und anknüpfen an den Bereich „Jugendsprache“ bzw. das, was Erwachsene dafür halten, denn tatsächlich sprechen die wenigsten mir bekannten Jugendlichen so, wie Herrndorfs Held. Ein weiteres Thema wäre die Bedienung von Klischees: Herrndorfs eigentlicher (Titel-)Held ist der 14jährige Sohn von Spätaussiedlern aus Russland, der bereits Autos knacken kann und einmal pro Woche betrunken zur Schule kommt. Natürlich werden hier Vorurteile bestärkt, aber auch das lässt sich thematisieren.

Aus dem Roman kann man als Lehrer viel machen. Am interessantesten wäre für mich die Frage an die Schüler, ob sie sich durch Herrndorf gut und richtig wiedergegeben fühlen. Denn – und das ist mein Hauptkritikpunkt an „Tschick“ – das bezweifle ich an einigen Stellen. Und doch ist das die Sache, mit der man Schüler packen kann: Nicht, indem man die Hauptfiguren erst einmal lang und breit charakterisiert; sondern indem man an ihr Lebensumfeld anknüpft und fragt: „Wie realitätsnah ist das Buch eigentlich?“ – Und da gehört doch dann alles zu: Die Jugendsprache, die Klischees, die Charaktere …

Wo würde ich es einsetzen? Ab 9. Klasse, vor allem für Jungs.

Und wie wären eure Meinungen zum Buch?

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15 Kommentare zu „Jugendbuch: Tschick

  1. ich mochte tschick. aber noch lieber (wenn das wort überhaupt angemessen ist… vermutlich nicht) hatte ich „arbeit & struktur“. herrndorf at his worst & best.

      1. Da hat man aber leider in NRW keine Auswahl, denn durch das Zentralabi sind die Themen vorgegeben. Deswegen macht es kaum Sinn etwas für diese Altersgruppe zu „entwickeln“. Wenn sie den Leistungskurs gewäht haben, werden sie einen Klassiker nach dem anderen durchnehmen.

      2. urks. hm. na denn mal ein hoch auf das system, was? aber deinen ansatz zu tschick finde ich sehr interessant! mal fragen, OB das denn so stimmt… anstatt davon auszugehen.
        ich erinnere mich noch mit schaudern an „pedro und die bettler von cartagena“, was wir in dem alter als gemäß vorgesetzt bekamen (und direkt danach „kabale und liebe“, hau-ruck!)

      3. Pedro usw. sagt mir jetzt gar nichts. Aber ich nehme an, ihr seid zu alt dafür gewesen? 😉
        Das ist auch noch so eine Sache: Liest man mit 13jährigen Mädchen ein Buch, das die gut finden, können die Jungs damit meist wenig anfangen. Also doch am besten keinen koedukativen Unterricht mehr … (Achtung, Witz 😉 )

      4. hihihi 🙂 na ja, man MUSS ja auch nicht immer alles über einen kamm scheren – das muss ja bei der gleichberechtigung nicht immer helfen.
        sei froh, dass dir der pedro nichts sagt. ein grausames dtv junior war es, und ich hoffe, es ist in den letzten 17 jahren gnädigerweise eingestampft worden.

      5. Also ich weiß gar nicht, was du hast: Bei Amazon hat doch der Pedro Superrezensionen! 4,8 von 5 Sternen … Da siehste mal, wie unterschiedlich die Eindrücke sind.

  2. Ich kann rocknroulette nur zustimmen. Tschick in der Schule zu lesen, finde ich eine sehr gute Idee. Lieben Gruss.

  3. Ich hab das Buch nicht gelesen, aber deinen Unterrichtsansatz finde ich gut – in meiner Schulzeit wurden mir leider einige gar nicht so schlechte Bücher verdorben, weil wir endlos an ihnen heruminterpretiert haben, um die „richtige“ Deutung zu finden, statt einfach mal darüber zu reden, was wir selber denn darin sehen (man kann das ja mit formaler Analyse kombinieren). Ich denke mal, ein wirklich guter Lehrer kann aus vielen Büchern was rausholen, und ein wirklich schlechter auch das beste kaputtunterrichten.

    1. Da hast du leider so Recht. Und viele Lehrer sind mit dem Pensum auch so überfordert, dass sie ihren Schülern glauben nicht die Möglichkeit des entdeckenden Lesens geben zu können. Doch es ist die Frage, bei was die Kinder mehr lernen …

  4. Ich habe das Buch auch mit vorbehalten angefangen, wegen der von dir angesprochenen Vermarktung. Aber an einigen Stellen war ich richtig neidisch.
    Ich finde deine Ideen für den Unterricht gut und mich würde es auch interessieren wie nah, oder meinetwegen fern, die Sprache und die Probleme bei den Jugendlichen ist.
    Eine Anmerkung zu den Vorurteilen: Ich fand, dass diese in der zweiten Hälfte des Buches ein wenig umgekehrt wurden. Tschick gibt ja gerade zu das er keine Autos knacken kann und das die Sache mit dem Tennisball Blödsinn ist. Weiteres Beispiel ist das Geständnis von Tschick, welches ich wundervoll unaufgeregt fand.Vorurteile bedient dann eher der Vater, und auch das gröstenteils weil es ihm in den Kram passt.
    Just my two Cents 🙂

  5. mein sohn hat das auch im unterricht gelesen – und wir beide fanden es grauenhaft.
    da gibts wahrlich besseres für jugendliche.

    (übrigens – weil wir es grade thematisiert hatten:
    achtung auf die rechtschreibung. 😉 )

    1. Es ist in der Schule schon drin. Du wirst das Buch nicht mehr rauskriegen. „Grauenhaft“ ist es nicht, aber ich kann verstehen, wenn man es ablehnt. Ich glaube nur nicht, dass die 14jährigen Protagonisten auch wie 14jährige sind und man es mit Älteren lesen sollte.

      1. doch, ich fands grauenhaft.
        muss ich ehrlich sagen…

        ja, das glaub ich eben auch.
        (mein sohn ist 14. 😉 )

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