Schatten I

Vielleicht sind das, was mich so oft in letzter Zeit herunterzieht, die Schatten, die ich immer mit mir herumtrage. Vielleicht habe ich so etwas wie eine dunkle Aura, weil all das, wie ich einmal gewesen bin, die Ausstrahlung, die ich einmal hatte, nun diesen Schatten angehört, und ich sie nicht erhellt bekomme, ob ich in der Sonne sitze oder nicht.

Das Leben von allen Menschen geht weiter. Sogar deins. Nur ich, ich bin gefangen hier in den Schatten, die zu deiner und meiner Vergangenheit gehören. Immer wieder kommen Teile unserer Geschichte hoch und ganz unterdrücken kann ich sie nie. Will ich das denn nicht? Wenn ich es wirklich wollen würde, würde ich es dann nicht unterdrücken können sollen?

Es gibt Tage, an denen ich lächle und halbwegs glücklich bin, an denen sich die dunklen Wolken heben können; es gibt Wochen, in denen du nicht wichtig bist. Aber irgendwann kommt immer ein Zeitpunkt, an dem ich mich wieder an dich und uns erinnere. Irgendwann sehe ich etwas, fühle etwas, erlebe etwas, das Teile von unserer Geschichte an die Oberfläche treiben lässt. Und dann sitze ich, so wie eben, zum Beispiel vor dem Unigebäude und denke an dich. Und das ist irrsinnig, denn obwohl ich sechs Jahre immer mit Unterbrechungen in diesem Gebäude verbracht habe, hatten du und ich doch nur drei Monate, höchstens ein halbes Jahr hier zusammen. Es gäbe soviel, wozu du nicht gehörst, an das ich mich erinnern könnte. Aber nein. Das wäre ja zu einfach. Die Zeit ohne dich ist nie so intensiv gewesen, dass sie die wenigen Tage mit dir überlagern kann.

Und das schlimme ist: Wir hatten kaum glückliche Tage. Es ist nicht einmal so, dass wir zusammen waren, oder dass du mehr als einen Bruchteil von dem empfunden hast, was ich für dich empfand.

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10 Kommentare zu „Schatten I

  1. Okay…allein nach dieser Einleitung habe ich schon eine Ahnung und verstehe nun den Eintrag, den ich gestern kommentierte viel besser…so eine Geschichte habe ich auch 😦

  2. Schatten loswerden geht nicht. Sie werden größer, je älter wir werden. Sie gehören zu unserem Leben in der Sonne. In der Dunkelheit gibt es keine Schatten. Da wollen wir aber nicht hin. Leben ist da, wo Sonne ist. Man hat aber immer die Möglichkeit den Lichteinfall zu ändern, weiterzugehen oder sich umzudrehen. Geh dahin, wo der Schatten hinter dich fällt, damit du ihn nicht ständig vor Augen hast und suche das Licht.

  3. Solche Schatten tauchen noch nach Jahren in den Träumen auf, obwohl sie vielleicht schon 20 Jahre her sind. Es kommt bei mir auch noch ab und an vor und ich frage mich, warum das so ist, denn im Alltag verschwende ich überhaupt keinen Gedanken daran.
    Man sag, dass man in Träumen Dinge verarbeitet, die länger zurückliegen.Das wäre womöglich die Erklärung. Manchmal ist es aber besser, wenn gewisse Dinge doch nicht in der Tat ausgelebt wurden, sie bleiben dann eine schöne Fantasie für immer…
    LG
    Emma

    1. Geträumt hatte ich selten von ihm. Bei mir war es tatsächlich eher im Alltag, dass z.B. irgendwo auf einmal ein Geruch auftauchte, der mich erinnerte.

  4. Das Wegdrücken von Schatten funktioniert deswegen nicht, weil auch sie ein Teil von Dir sind. Auch sie haben einen Fußabdruck in Deinem Wesen hinterlassen und machen bestimmt einen Aspekt Deines Wesens aus. Wenn Sie auftauchen, kann man sie ruhig zulassen und betrachten. Wenn Du etwas wegzudrücken versuchst, schnellt es immer wieder nach oben, wie ein Korken, den man unter Wasser drückt.
    Annehmen und Akzeptieren ist zwar schmerzhaft, aber damit verlieren sie ihre Macht.
    Ganz liebe Grüße
    Silvia

  5. Gerade bin ich erstaunt, erschrocken und berührt. Erstaunt weil ich etwas ähnliches durchmache und gerade denke meine eigene Geschichte hier zu lesen. Erschrocken weil es für mich wie ein Schlag ins Gesicht scheint. Und berührt weil du alles was du fühlst, und worin ich mich wieder erkenne, so gut ausdrückst.
    Wenn ich schlechte Phasen habe, jene in denen ich an ihn denken muss, dann sage ich mir:“es ist okay, was du fühlst. Fühle es aus. Irgendwann wirst du es geschafft haben.“
    Was ich dir mitgeben möchte: wo es schatten gibt, gibt es auch Sonne. Und wenn wir uns ehrlich sind gibt es immer mehr Sonne als Schatten. Wir müssen aufhören uns das Gute der vergangenen Beziehung zurückzuwünschen sondern uns erfreuen, ja dankbar sein, etwas so schönes erlebt zu haben.
    Liebe Grüße & Kopf hoch. Ich denk an dich 🙂

    1. Liebe Leonie,

      ich gebe dir gerne das Passwort, um die ganze Geschichte zu lesen. Allerdings kann ich dir schon einmal sagen: Begonnen hat das Ganze 2000 und geendet ist es dann endlich 2010. Von daher ist auch das Ende nun schon eine Weile her und Gott sei dank wirklich beendet.

      Lieber Gruß

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